Antinoris weisse und rote Glanzlichter aus Umbrien – schon probiert?
Das Weingut der Gebrüder Cotarella ist heute fest – und erfolgreich – in Frauenhand.
Charaktervolle Rotwein-Perle aus dem umbrischen Weinhaus Famiglia Cotarella.
Umbrien ist das grüne Herz Italiens. Es zählt zu den ganz wenigen Regionen, die keinen Zugang zur Küste haben. Doch dem Besucher fehlt das nicht. Dunkle Wälder, stille Seen, würdige Klöster und Einsiedeleien prägen das Land. Die Umbrier haben seit jeher ein ganz spezielles Verhältnis zur Natur. Es ist kein Zufall, dass man dem Heiligen Franz von Assisi, der hier geboren wurde, nachsagte, er könne mit Tieren sprechen.
Die Rebberge Umbriens erstreckt sich über 16'000 Hektar. Lange stand der umbrische Weinbau im Schatten der benachbarten Toskana. Dabei ähneln sich die beiden Anbaugebiete, was Boden und Klima betrifft. Hier wie dort ist Sangiovese die wichtigste Rebsorte. Doch erst in den 1970er-Jahren, als der toskanische Nachbar schon längst die Weltmärkte eroberte, machte Umbrien erste Schritte Richtung Qualitätsweinbau. Drei Schlüsselfiguren halfen, die Weinregion nach vorn zu bringen.
Der Pionier der umbrischen Weinszene war zweifellos Giorgio Lungarotti. In den späten 1970er-Jahren schuf er den Torgiano, einen nach der gleichnamigen Ortschaft benannten Rotwein, der heute eine eigene docg besitzt. Er basiert auf Sangiovese, ergänzt durch weitere Sorten wie Canaiolo oder Montepulciano. Kurioserweise ist Lungarotti der einzige Erzeuger dieses kräftigen, geschmeidigen Spitzenweins.
Der zweite Protagonist heisst Marco Caprai. Der Sohn des Gutsgründers Arnaldo Caprai setzte sich ab den 1990er-Jahren für den Sagrantino di Montefalco ein. Sagrantino ist eine alte lokale Traube, die in den 1960er-Jahren um ein Haar ausgestorben wäre. Caprai zeigte als Erster, welch kraftvolle, würzige, langlebige Tropfen diese Rebsorte erbringt. Im mediterranen Klima von Montefalco läuft sie zur Hochform auf. Man vergleicht sie im Aroma mit dem Brunello und ihre Tannine mit jenen des Barolo.
Nicht zuletzt stammt aus Umbrien ein italienisches Weisswein-Monument: der Cervaro della Sala. Ein besserer Weisser ist in Italien schwer zu finden! 1985 kelterte das Gut Castello della Sala, im Besitz der toskanischen Weindynastie Antinori, erstmals diesen fassgereiften Spitzentropfen aus Chardonnay und einem Hauch Grechetto. Der Önologe dahinter heisst Riccardo Cottarella. Er waltet als CEO des Antinori-Imperiums, doch schon seit 1979 ist er auch selber als Winzer in Umbrien aktiv. Gemeinsam mit seinem Bruder Renzo betreibt er das Weingut Falesco, das seither zur umbrischen Spitze gehört.
Neben diesen grossen Namen ist Umbrien für den Orvieto bekannt. Früher waren dies dünne, oft liebliche Massenweinchen, gekeltert aus der recht neutralen Trebbiano-Traube. Heute findet man jedoch auch Exemplare mit Aroma und Substanz.
Die umbrische Küche ist einfach und schmackhaft. Die hier so beliebten Würste vom Haus- und Wildschwein strotzen geradezu vor Aroma. Der Grund: Die Tiere werden mit Eicheln gemästet. Berühmt sind auch die schwarzen Trüffeln aus Norcia. In Perugia wiederum frönt man der Liebe zur Schokolade. Hier wurden die weltbekannten Baci erfunden, Pralinés mit Haselnuss.
An Sehenswürdigkeiten hält Umbrien sowohl Natur als auch Kultur bereit: von Assisi, der Geburtsstadt des Heiligen Franz mit der Unesco-geschützten Basilika, bis zur Cascata delle Marmore, dem höchsten Wasserfall Europas. Die Römer legten ihn im Jahr 290 vor Christus an, um das Stauwasser des Flusses Velino umzuleiten. In drei Stufen stürzt er sich 165 Meter in die Tiefe.
Sagrantino di Montefalco, Torgiano Rosso Riserva
Amelia, Assisi, Colli Altotiberini, Colli del Trasimeno, Colli Martani, Colli Perugini, Lago di Corbara, Montefalco, Orvieto und Orvieto Classico, Rosso Orvietano, Spoleto, Todi, Torgiano
Arnaldo Caprai, Castello della Sala - Marchesi Antinori, Cotarella, Bigi, Falesco, Lungarotti
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